Skip to main content

Alles hängt am Wohnraum - AWO-Diskussion zu Teilhabe-Chancen von Flüchtlingen
Diskussionsrunde "Quer gedacht" am 04.10.2017

Flörsheim/Main-Taunus-Kreis. „Das ist ein Thema, das uns seit mindestens zwei Jahren umtreibt“, eröffnete Klaus Störch, Vorsitzender des Flörsheimer Ortsvereins der Arbeitenwohlfahrt (AWO) einen Vortrags- und Diskussionsabend zu dem Motto „Wir schaffen das! Teilhabe-Chancen von Flüchtlingen im Main-Taunus-Kreis“. Zur Aufgabe der AWO gehöre es auch, Lobby für Menschen zu sein, die nicht im Rampenlicht stehen.

Als Gesprächspartner begrüßte Störch den Koordinator des Sozialbüros Main-Taunus, Marcus Krüger, der zudem Geschäftsführer der Ökumenischen Wohnhilfe ist. Die Bundestagswahl habe gezeigt, dass viele das Thema nicht verstanden haben, betonte Krüger und belegte seine Aussage zunächst mit Zahlen. So seien zwei Millionen Menschen 2015 nach Deutschland eingewandert, 890 000 von ihnen hätten Asylanträge gestellt, aber gleichzeitig seien auch 900 000 Menschen ausgewandert. Weiter verwies er auf die Genfer Flüchtlingskonvention und die dort festgeschriebene Definition des Flüchtlings als rechtlichen Begriff für anerkannte Geflüchtete, während man sonst von geduldeten Ausländern oder Asylbewerbern spreche.

Schnell kristallisierte sich bei einer Vielzahl von Hürden das Problem der Wohnungssuche heraus, wenn anerkannte Flüchtlinge die Gemeinschaftsunterkünfte verlassen müssen, aber allein im Rhein-Main-Gebiet 380 000 Wohnungen fehlen. Als direkt Betroffener kam der Syrer Obeid Al Hussein zu Wort, der vor einem Jahr und zehn Monaten nach Deutschland kam und zunächst mit 250 Personen in einem Zelt untergebracht war. Mittlerweile hat der 29-Jährige einen Intensivsprachkurs absolviert, studiert in Frankfurt für eine Anerkennung seiner akademischen Ausbildung als Bauingenieur, ist als Flüchtling anerkannt und damit berechtigt, aus der Asylunterkunft auszuziehen. Eine Wohnung findet er aber nicht, zumal Vermieter einen Rückzieher machen, wenn sie hören, dass die Miete vom Jobcenter bezahlt wird. „Wir Flüchtlinge wollen eigentlich keine Sozialhilfe, aber es geht nicht anders. Wir brauchen Zeit und Ihre Hilfe, um uns zu integrieren“, wandte er sich an die Anwesenden.

Zuvor hatte Hüseyin Koçak, Integrationsbeauftragter der Stadtverwaltung, die Situation in Flörsheim dargestellt, wonach bei einer Kapazität von 345 Plätzen jetzt noch 249 in den fünf Asylbewerberheimen belegt seien. 34 Bewohner seien auszugsverpflichtet. Er appellierte, mit den Menschen zu sprechen, nicht über sie. „Ohne das Ehrenamt ginge die Flüchtlingsarbeit den Bach runter“, merkte auch Sozialdezernent Sven Heß kritisch an und wies auf das Haushaltsdefizit und den Mangel an Personal in der Kommune hin. Ähnlich beleuchtete Bürgermeister Michael Antenbrink das Problem als kompliziert. Um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und zwar nicht nur für Flüchtlinge, bräuchte es öffentliche Wohnungsbaugesellschaften, und man dürfe das Feld nicht dem freien Markt überlassen. Abschließend kündigte AWO-Chef Störch an, dass er nach dieser Startveranstaltung diese Reihe fortsetzen werde: „Diese Diskussion war nur ein Anfang“.

 

Artikel aus der Main-Spitze: http://www.main-spitze.de/lokales/floersheim/alles-haengt-am-wohnraum-awo-diskussion-zu-teilhabe-chancen-von-fluechtlingen_18230067.htm